200 Miles to Trinity

Zeichnungen, 2009

Irgendwann wollte ich dann doch wissen, wie es da aussieht, wo die ersten Atombomben der Welt entwickelt - und getestet wurden. Im Herbst 2009 machte ich mich auf den Weg nach New Mexico. Es gibt zwei Tage im Jahr, zu denen man das militärische Sperrgebiet Alamogordo betreten kann, das sonst als Übungsplatz für verschiedene Armeen, wie die US Airforceoder auch die Luftwaffe, zum Bombenabwerfen genutzt wird. Dieses Bombodrom kann am ersten Samstag im April oder Oktober besucht werden.
Zuvor wollte ich die Wege nachvollziehen, die zwischen den Orten, wo die Bomben gebaut und wo sie getestet wurden, liegen.
Zuerst ging es nach Los Alamos, ein kleines Städtchen, in dem es bis 1942 ausser dem privaten Internat von Ashley Pont nichts gegeben hat. In die idyllische Hügellandschaft New Mexicos wurde das Manhattan Project gesetzt. Unter diesem Codename entwickelten die USA die erste Atomwaffe. Strenge Geheimhaltung war damals - wie heute in den Los Alamos National ehemals Scientific Laboratory erste Priorität. Es sind über die Jahre desaströse Sicherheitslücken des LANL, bekannt geworden, und ich frage mich, was davon den Gebäuden und den Räumen anzumerken ist wie auch der Geschichte, die sie repräsentieren. Aber diese Gebäude sind allesamt, so wie fast alle festen Bauten erst später entstanden. Der Ort selbst hat seine kurze Geschichte mit einem Heimat- und einem Atommuseum aufbereitet. Über die Stadt verteilt finde ich zahlreiche Gedenktafeln, die ich zu kopieren beginne, mit Bleistift und Papier. So entstehen die ersten Frottagen, die zu einer umfangreichen Serie anwachsen, und meine leibliche Anwesenheit in der "Atomic City" wiedergeben, und ihre nach außen gerichteten Dokumente der Geschichtsschreibung.

Dann mache ich mich auf den Weg 200 Meilen südlich nach Alamogordo, wo bei einem kleinen Zughaltepunkt mit Namen Alamogordo In die Wüste das Testgebiete "Trinity" für das "Manhattan Project" gesetzt wurde.

Am 3. Oktober 2009, morgens vor Sonnenaufgang befinde ich mich auf dem Parkplatz eines Sportplatzes. Es gibt Kaffee und Donuts. Um sieben Uhr startet ein Konvoi aus drei Reisebussen und privaten PKWs auf das militärische Sperrgebiet, dorthin. Ich bin ein wenig erstaunt über den Andrang. Der Bus nähert sich, unter ständiger Moderation eine Testgebietsveteranen, einem umzäunten Areal. Aus diversen Himmelsrichtungen fahren weitere Konvois an.
Meine Ahnung, dass es sich um einen veritablen Atomtourismus hier handelt, verstärkt sich. Vom Busparkplatz geht es zu Fuss zum Ground Zero, für Veteranen und andere fußschwache Menschen auch im Golf-Caddy. Auf dem Gound Zero befinden sich folgende Dinge: Ein Bunker, ein mit einer Bombenattrape versehener LKW, der Stumpf des Turms, auf dem die Bombe sich befand, und anderen Position ein Obelisk aus schwarzem Stein mit zwei Gedenktafeln. Davor und daran lassen sich die die Besucher fotografieren.
 
Ich fertige wie in Los Alamos bereits und zu Anerkennung oder Unbill der anderen Besucher Kopien der Gedenktafeln an.

Auf der Trinity Test Site (Foto: Smudge Studio)
Auf der Trinity Test Site (Foto: Smudge Studio)
Auf der Trinity Test Site (Foto: Smudge Studio)
Auf der Trinity Test Site (Foto: Smudge Studio)
Auf der Trinity Test Site (Foto: Smudge Studio)