Der lange Weg nach Eschnapur

 

 

In Fabian Reimanns Ausstellung »Der lange Weg nach Eschnapur« kommen fiktive und faktische Elemente zu einem Raumessay über Kolonialisierung und Fortschrittsglauben zusammen: Mogli aus dem Dschungel, Tarzan und ein deutscher Ingenieur treffen sich im schnellsten Zug seiner Zeit, der nicht mehr als wenige Testfahrten absolvieren durfte, und spielen Dampfmaschinenmonopoly.

»Railway Rivals«, »Dampfross« in der deutschen Ausgabe, ist ein Spiel wie Monopoly, mit Bahnstrecken anstatt Straßen, die die Spieler erst legen und dann dafür abkassieren – auf Spielbrettern, die konkrete Landschaften abbilden. In den 1970er entwickelte der Lehrer David Watts dieses Gesellschaftsspiel. Das erste Spielbrett zeugte seine Heimat England in hexagonalem Raster. Dann wurde ganz Großbritannien kartiert. So wie im 19. Jahrhundert Industrialisierung und Kolonialisierung eine kongenial beschleunigte Entwicklung erfuhren ging es mit dem Erfolg dieses Spiels voran. Weiteren Kontinente wurden zum Spielbrett der Eisenbahnunternehmen.

Ein Abbild der Indien-Ausgabe von »Railway Rivals« und andere – konkrete oder hypothetische – Elemente bilden einen Raumessay in der Ausstellung »Der lange Weg nach Eschnapur« von Fabian Reimann in der Projektwerksatt Leipzig: Zu sehen sind ein Auszug aus der vermutlich bekanntesten aus Rudyard Kiplings »Djungelbüchern«. Die Geschichte vom Kinde Mowgli, die in Fritz Langs zweiteiliger Indientrilogie adaptiert wurde. Im Victoria and Albert-Museum befindet sich ein Artefakt, gefunden das in den Blauen Büchern, einer etwas didaktischen Publikationsreihe zur Weltkunst. 2007 wurde der deutsch-indische Propagandazug »Science Express« eingeweiht, der nun durch Indien fährt und die Errungenschaften modernster Technik und grundlegender Wissenschaften vermittelt.

Nie in die Ferne gereist ist Edgar Rice Burroughs, dessen Adaption der Geschichte vom Findelkind in der Wildnis als Tarzan-Saga den bis dahin mäßig erfolgreichen Autor von Science Fiction-Romanen weltberühmt und reich machte. YELL nimmt die Copyright-Frage um Tarzans Schrei in den Fokus.

Im letzten Raum der Ausstellung wird wieder die Idee vom Fortschritttsgeist und der Eisenbahn aufgegriffen. 1931 hatten deutsche Luftschiffingenieure den schnellsten Zug ihrer Zeit fertig gestellt, der nicht mehr als wenige Testfahrten absolvierte. vom Schienenzeppelin aus Hannover berichtet ein Stummfilm in Standbildern. Die Textelemente sind dem 1933 erschienen propagandistischen Buch »Männer deutscher Tat entnommen«. Der Schienenzeppelin wurde 1939 verschrottet.