From Russia with Love

Mischtechnik auf Leinwand, 2015

1990, in den letzten Zügen der Sowjetunion wurden in einer Serie Briefmarken fünf Agenten des KGB geehrt. Unter dem Portrait waren der Name, die Geburts- und Sterbedaten gedruckt. Verwunderlich ist die Veröffentlichung der Personen, die im Verborgenen bleiben sollen, deren Namen eigentlich niemand kennen darf. Wobei nur der kundige Mensch die Namen einer Spionageidentität zuordnen kann. Das fand ich Anlass genug, mich dieser Heldenbilder im Kleinformat anzunehmen. Die Gesichter habe ich überlebensgroß auf Leinwand übertragen und als Titel der Arbeiten die Decknamen der Spione zu wählen.

Dabei sind mir sozusagen alte Bekannte begegnet, die ich bei den Recherchen nach Atomspionen gefunden hatte.
Und auch bei einer Briefmarkenserie von 1998 fand ich alte Bekannt. Was allerdings 1990 schon rückwärtsgewandt erschien, ist in der Briefmarkenserie von 1998 befremdlich. Russische Briefmarken ehren die Helden der Sowjetunion? Gab es in dieser Zeit eine Sehnsucht nach einem großen, geeinten Land, nach einer Weltmacht? Ist diese Nostalgie gewissermaßen aktuell?

Der Titel „From Russia with Love“ habe ich dem James Bond-Film von 1963 entliehen. Der fiktive Spion ohne eine Identität ausser der eines Spions repräsentiert die Ära des Kalten Krieges wie kaum eine andere Figur.