A-Spies

2005-2007 Spionage

Ich hatte zu dem Kunsthistoriker Anthony Blunt, der ein Spion war, geforscht, woraus „The Surveyor“ entstanden ist. Ein Spion ist nie allein.

Von Blunt aus kam ich auf sein kleines Netzwerk der Cambridge Five, das sich immer mehr verzweigte in ein großes Netz der Spionage in der Zeit des Kalten Krieges.

Dieses Netzwerk kann man mit Namen und deren Verbindungen veranschaulichen. Aber wie zeigt man nun Spione selbst? Genaus genommen, fragte ich Michaels, kann ich Spione gar nicht sehen, oder, wieder genau genommen, nicht. Als solche erkennen. Selbst wenn ich die Gesichter ganz genau betrachte, ich sehe es ihnen nicht an. Nach zahlreichen Experimenten mit dem Ziel, die Spione zu zeigen, habe ich einen Weg gewählt, nichts auf ein Blatt aufzutragen. Die Gesichter der Spione sind bei ganz genauem hinsehen nur aus wenigen Betrachtungswinkeln zu erkennen. Die Bilder sind doch das Setzen von Hunderten von  Löchern entstanden, wie ein Lochcode.

Ilsands on my mind

2005 Atomtests

Fabian Reimann unternimmt in seinen Zeichnungen den von vornherein widersprüchlichen Versuch, zu visualisieren, was nicht zu sehen ist, die Bewegung kleinster Teilchen zur Anreicherung einer kritischen Masse um einen Kern, der nicht da ist. Verschiedene Zeichnungen führen das Auslöschen von pazifischen Atollen und anderen Inseln nach, Rohrschachbilder, Fragmente aus Karten und andere Formen spüren diesen teilweise nicht mehr zu sehenden Orten nach. Auf der Landkarte findet sich bei der Suche nach den Orten, an denen Bomben getestet wurden, nichts – neue white spots sind auf der Landkarte entstanden

Tusche auf Papier, 26 x 17 cm
mit Indexbroschüre

Siebdruckedition  auf Papier, 26 x 17 cm
mit Indexbroschüre

Uranclub

2012-2016 Atomwissenschaft Holzschnitt Spionage

Diese Portrait zeigen zehn deutsche Physiker, die im Rahmen der Geheimdienstoperation „Alsos Epsilon Toothpaste“ oder „Alsos III“ 1945 verhaftet wurden. Es handelte sich im Erich Bagge, Kurt Diebner, Walther Gerlach, Otto Hahn, Paul Harteck, Werner Heisenberg, Karl Wirtz, Carl Friedrich von Weizsäcker, Max von Laue und Horst Korsching die in der Nähe von Cambridge interniert wurden. Sie wurden verhört und heimlich abgehört. Ob Nazi-Deutschland eine funktionstüchtige Atombombe in Vorbereitung hatte liess sich nicht herausfinden.

Die Portraits dieser Männer sind in der Form von auf der Spitze stehender Quadrate, Karos auf der Spielkarte, im Englischen Diamond. Darauf entwickeln sich Strukturen. Die ersten sind gepunktete Linien, die in Holz geschnitten sind. Davon gibt es ein gedrucktes Bild. Dieses Holz, dieser Druckstock, ist weiter bearbeitet worden. Die Linien haben sich geschlossen. Gesichter treten deutlich, expressionistisch wirkend, hervor. Die Formen, die die Linien umschlossen haben, beginnen zu überstrahlen. Das Bild beginnt das Eigenleben eines Experiments, das sich selbst überlassen wurde. In der vierten Stufe verdichten sich die Formen zu Kreisen, Ovalen und Punkten. Die Formen näher sich der ersten Fassung. Es ging vom Dunklen ins Helle. Dann ist es vorbei. Von jeder Stufe gibt es ein gedrucktes Bild. Das Holz ist im Feuer verschwunden.

 

 

From Russia with Love

2015 Spionage

Der Geheimdienst kommt mit der Post, der Spion befindet sich auf der Briefmarke.
1990, in den letzten Zügen der Sowjetunion wurden in einer Serie Briefmarken fünf Agenten des KGB
geehrt. Unter dem Portrait waren der Name, die Geburts- und Sterbedaten gedruckt. Verwunderlich ist
die Veröffentlichung der Personen, die im Verborgenen bleiben sollen, deren Namen eigentlich niemand
kennen darf. Wobei nur der kundige Mensch die Namen einer Spionageidentität zuordnen kann.
Fabian Reimann hat sich dieser Situation angenommen und die Motive überarbeitet, von der kleinen
Briefmarke sind die Gesichter überlebensgro. auf Leinwand übertragen. Als Titel der Arbeiten hat
Reimann die Decknamen der Spione gewählt. Einige davon sind für den Künstler alte Bekannte. Bei der
Recherche nach Atomspionen oder den Verwicklungen von Kunst und Spionage sind einige schon in
früheren Arbeiten aufgetreten.
In der zweiten Bilderserie tauchen erneut Helden des KGB auf. Was 1990 schon rückw.rtsgewandt
erschien, ist in der Briefmarkenserie von 1998 befremdlich. Russische Briefmarken ehren die Helden
der Sowjetunion? Gab es in dieser Zeit eine Sehnsucht nach einem großen, geeinten Land, nach einer
Weltmacht? Ist diese Nostalgie gewissermaßen aktuell?
Der Titel der Ausstellung „From Russia with Love“ ist dem James Bond-Film von 1963 entliehen. Der
fiktive Spion ohne eine Identität ausser der eines Spions repräsentiert die Ära des Kalten Krieges wie
kaum eine andere Figur.
In seiner Arbeit stellt Fabian Reimann Fragen zur Geschichte und ihren Bildern. Die Geschichten,
fiktive und historische, die in Bilder hineingelesen werden, ob von militärischer Bildaufklärung,
Stenographie oder der Kunstwissenschaft rückt für den Künstler im Fundus unseres kulturellen
Gedächtnisses zusammen. Ein weites Netz von Informationen, von Sichtbarem, Verborgenem, von
Namen, Gesichtern und Codes verbindet sich in dieser Arbeit.

 

 

 

 

 

 

 

 

200 Miles to Trinity

2009 Atombombentest Atomwissenschaft

Irgendwann wollte ich dann doch wissen, wie es da aussieht, wo die ersten Atombomben der Welt entwickelt – und getestet wurden. Im Herbst 2009 machte ich mich auf den Weg nach New Mexico. Es gibt zwei Tage im Jahr, zu denen man das militärische Sperrgebiet Alamogordo betreten kann, das sonst als Übungsplatz für verschiedene Armeen, wie die US Airforce oder auch die Luftwaffe, zum Bombenabwerfen genutzt wird. Dieses Bombodrom kann am ersten Samstag im April oder Oktober besucht werden.
Zuvor wollte ich die Wege nachvollziehen, die zwischen den Orten, wo die Bomben gebaut und wo sie getestet wurden, liegen.
Zuerst ging es nach Los Alamos, ein kleines Städtchen, in dem es bis 1942 ausser dem privaten Internat von Ashley Pont nichts gegeben hat. In die idyllische Hügellandschaft New Mexicos wurde das Manhattan Project gesetzt. Unter diesem Codename entwickelten die USA die erste Atomwaffe. Strenge Geheimhaltung war damals – wie heute in den Los Alamos National ehemals Scientific Laboratory erste Priorität. Es sind über die Jahre desaströse Sicherheitslücken des LANL, bekannt geworden, und ich frage mich, was davon den Gebäuden und den Räumen anzumerken ist wie auch der Geschichte, die sie repräsentieren. Aber diese Gebäude sind allesamt, so wie fast alle festen Bauten erst später entstanden. Der Ort selbst hat seine kurze Geschichte mit einem Heimat- und einem Atommuseum aufbereitet. Über die Stadt verteilt finde ich zahlreiche Gedenktafeln, die ich zu kopieren beginne, mit Bleistift und Papier. So entstehen die ersten Frottagen, die zu einer umfangreichen Serie anwachsen, und meine leibliche Anwesenheit in der „Atomic City“ wiedergeben, und ihre nach außen gerichteten Dokumente der Geschichtsschreibung.

 

 

 

 

(Fotos Smudge Studio)