Planet Utopia – eine Demonstration

2019 Affen Revolution

Vor dem Hintergrund einer Ausschreibung der Ausstellung „Besetzung Belegung, Bespielung – Bemächtigung und Besitzung von Utopien“ habe ich mich dem Thema des Jubiläums der Wiedervereinigung gestellt. In den Osten Deutschlands kam eine neue Welt von Privatfernsehen, Warenfluten und massenhaft mediaisierten Bilder.
Aber nicht alle dieser Welten waren greifbar im Werbefernsehen und das Versprechen eines Wohlstands für alle hat sich bis heute nicht eingelöst.
Es ist noch wie vor ein langer Weg zu einer idealen Gesellschaft. Im Sinne der Utopie ist die Gegenwart eine Enttäuschung. In den sozialistischen Ländern wurde diese als ein Dasein in der Zukunft versprochen.

In der Ausstellung wurde eine narrative Installation aus Arbeiten auf Papier und Projektionen gezeigt. Der erste Deutsche im All trifft auf Volkspolizisten, der Planet der Affen auf Winnetou und die Schlacht am Big Sur. Währenddessen dreht sich der Weltraumaffe Ham im Kreis und Bilder aus dem Buch „Space Colonies“ rotieren daneben. Das Display dazu ist von Demonstrationstransparenten und -schildern und Absperrungen abgeleitet.

 

 

Hello from the Children of the Planet Earth

2020 D21 Kunstraum Leipzig Raumfahrt Voyager

„In diesen merkwürdigen Zeiten dürfen auch wir unseren Kunstraum nicht öffnen. Viele Künstler:innen können ihre Werke nicht zeigen. Hier wollen wir als Kunstraum ein wenig Abhilfe schaffen. Im Rahmen unseres Jahresprogramms Kontaktaufnahmen haben seit dem 13. April lokale Künstler:innen wöchentlich wechselnd die Möglichkeit, ihre Arbeit in einem Schaufenster des D21, dem sogenannten “Kontaktfenster”, zu präsentieren.“

Als dritte Bespielung des „Kontaktfensters“ zeigt Fabian Reiman ein Sampling von Arbeiten 2006 bis 2020, in denen es um die Kontaktaufnahmen zu fremden Planeten geht.

Text im Schaufenster

Hallo!

Das ist eine durchsichtige Wand, vor der Du stehst. Du bist draußen und schaust rein. So ist das bei einem Schaufenster. In diesem Schaufenster des D 21 Kunstraums siehst Du eine Ausstellung von Arbeiten, in denen es um Nachrichten von einem fernen Stern geht. Der Planet heißt Erde. Und deren Bewohnerinnen und Bewohner grüßen Dich auf Deinem Planeten. Wir hoffen, bald ins All zu Dir starten zu können und möchten heute schon Kontakt aufnehmen.

Viel Glück

Fabian Reimann

Leichter als Luft

2019 Warburg-Universum Zeppeline

2018 hatte ich im Jahresmagazin des Landesverband Bildende Kunst, Sachsen, den Bildessay „Leichter als Luft“ veröffentlicht. Der thematische Rahmen war „Original und Kopie“. 2019 wurde ich zu der Ausstellung „PARADIGMA Blickwechsel – copyright“ eingeladen. Dies wohl vor allem wegen der Aufmersamkeit auf „Leichter als Luft“. Es lag nahe, diesen Bildessy aufzugreifen, um daraus eine narrative Installation zu entwickeln, die sich mit dem Verhältnis zu den eigenen Quellen auseinandersetzt. So entstand eine Wunderkammer, ein Archiv, eine räumliche Quellensammlung zu dem Thema „Leichter als Luft — Weltfahrten“, Reisen durch das Warburg-Universum.

 

 

 

 

The Surveyor

2008-2010 Anthony Blunt

1979, Sir Anthony Frederick Blunt ist nicht mehr Sir. Der Grund dafür liegt weit zurück in Cambridge, wo er studierte. Dort kam er mit einem geheimen Kreis von Männern zusammen, jung und von glühender Leidenschaft für den Kommunismus. Später wurden sie bekannt als die Cambridge Five. Der erste von ihnen wurde 1951 enttarnt, der zweite ein Jahr später. Blunt war zu dieser Zeit Professor für Kunstgeschichte und Berater der Queen in Kunstdingen, er betreute die Gemäldesammlung der Windsors als Surveyor of the Queen’s Pictures. Französische und italienische Kunst waren sein Schwerpunkt, Poussin insbesondere. 1963 flog der dritte aus dem Kreis der Cambridge Five auf, er hatte sich wie schon die anderen nach Moskau abgesetzt. Blunts zweite Identität wurde ein Jahr darauf bekannt – aus Rücksicht auf die Queen aber nicht in die Öffentlichkeit getragen. Margaret Thatcher tat dies 15 Jahre später. „Durch sein öffentliches Schweigen wurde Blunt, der Undurchschaubare – und scheint es bis heute –, eine perfekte Folie, auf die sich hemmungslos projizieren lässt. Distinguiertheit und Distanz schufen das Bild des ›Unantastbaren‹. In Abwesenheit des konkreten Blunt, der weder seinen Zeitgenossen noch der Nachwelt den Gefallen ausführlicher Selbstzeugnisse tat, scheint Blunt als Figur folgerichtig dort am überzeugendsten und eindeutigsten zu sein, wo er sich in Fiktion verwandelt: als „The Untouchable“, also wörtlich der Unantastbare, aber auch der Unberührbare in John Banvilles Roman von 1997, oder als der Kunsthistoriker, Spion und Höfling, der sich jeder Festlegung, jeder Zuschreibung entzieht, in Alan Bennetts Theaterstück „A Question of Attribution“ von 1988.“

bestehend aus
Freedom of Information Act: Carbon Copy
Freedom of Information Act: Prescripted Interrogation
One Second Distance
Poussin Lectures

Als integraler Teil wurde das Buch mit dem gleichlautenden Titel veröffentlicht „The Surveyor“

Reiter auf dem Sturm

2011 Edwin Davis Nicola Tesla Wilhelm Reich

Warum ist der elektrische Stuhl erfunden worden? Wie spricht der Hund zum Herrchen? In dieser Ausstellung versucht Fabian Reimann im faustschen Sinne auf des Pudel Kern einer Welt im künstlichen Licht vorzudringen.

Um 1900 war die Welt faktisch geworden. Sie war stückenweise enträtselt, man hatte die kleinsten Bausteine des Lebens in Atome zerlegt und forschte an Geist und Psyche des Menschen. Es sind universelle Fragen gewesen, die manchen Menschen zur Obsession geworden sind: Woher kommt die Energie, die alle Dinge in Bewegung und am Leben hält. Und sind wir permanent von dieser Energie umgeben? Forschungsdrang, Erfindergeist und damit zusammenhängende Betriebsblindheit sind Themen, die in der Ausstellung Reiter auf dem Sturm mit drei historischen Personen und deren Werk zusammengeführt werden.

Bestandteile des Raumesays:

Erscheinungskiste

ACAC

587.649

Alsos Epsilon Toothpaste

2012 Atomwissenschaft Einzelausstellung Spionage

Alsos, Epsilon, Toothpaste – hinter diesem Titel der Ausstellung von 2012 verbarg sich die alliierte Geheimdienstmissionen aus den Jahren 1944/45.  Ziel war, die deutschen Atomphysiker, die Vertreter des „Uranverein“, zu verhaften und herauszufinden, inwieweit das Dritte Reich eine Atomwaffe entwickelt hatte.

In der Ausstellung ging es unter anderem um die universellen Weltformeln, wie sie im 20. Jahrhundert Konjunktur hatten. Von der Entdeckung des Atoms und der Kernspaltung als Weg der Nutzbarmachung neuer Energiepotentiale gab es eine Verknüpfung zu den Universalitätsansprüchen der Avantgarden der Kunst: Die in einem Landhaus bei Cambridge internierten Physiker, Constantin Brancusis unendliche Säule und der Kristall als Metapher der Moderne fügen sich zu einer formalästhetisch konsequenten aus Raum-, Licht-, Schattenzeichnungen und verlorener Form.

Bestandteile waren

Uranonyme

Uranclub

Unendliche beschränkt

Flat Earth

2012

„Flat Earth“ greift verschiedene menschlichen Handelns und Kommunizierens auf und transformiert diese zu einem kynetischen Raumessay über Platons Höhle, Höhlenmalerei, die Goldene Schallplatte, die von der CETI-Konferenz konzipiert mit einer Weltraumsonde ins All geschickt wurde. Die einzelnen, sich ständig drehenden Motive überblendenden und lösen sich permanent:
„Flat Earth“. Die Welt vor ungefähr
„180 000 000 Millionen Jahren“
„Flat Earth. Mann, nackt, winkend“
„Flat Earth. Frau, nackt“
„Flat Earth. Hand“
„Flat Earth. Die Zeitzonen vom Nordpol aus gesehen“

Ich sehe

2012 Kalter Krieg Luftaufklärung

 

Die Dia-Installation »Ich sehe« besteht aus der Reproduktion einer Brieftaube, der ein automatischer Fotoapparat umgebunden wurde und einer Doppelprojektion, auf der man vorerst ein Gewirr von Zeichen erkennt. Steht man zwischen Bild und Projektor verdeckt man die eine oder andere Projektion und liest, auf englisch oder russisch: Ich sehe. Diese Arbeit bezieht die willenlose Befehlsausführung desjenigen, der Luftaufnahmen im militäriischen Auftrag und den Moment des Erkennens beim Betrachten gleichermassen ein.

2017 Phillip Schulze

Eröffnung 20.08.2017, 12 h
20.08. – 03.09.2017, 12-19 h

Kirche Obergrunstedt
Im Oberdorf
99428 Obergrunstedt / Gemeinde Nohra

 

Kooperation mit Phillip Schulze

„Das Lange Jetzt“ ist eine Komposition aus Klang, Licht, Tönen und Projektionen, die der Leipziger bildende Künstler Fabian Reimann und der Düsseldorfer Medienkomponist Phillip Schulze in der romanischen Kirche in Obergrunstedt bei Weimar als Rauminstallation realisieren. Die Arbeit setzt sich mit dem Kirchenraum als solchem und der Wahrnehmung von Zeit unter den Gesichtspunkten von Diesseits und Ewigkeit auseinander.

Der originäre Anspruch eines Kirchenraums ist transzendierend. Außergewöhnlich war für Jahrhunderte das inszenierte Erlebnis von Musik und Licht in der Kirche. Sie war Ort großer Inszenierungen und Rituale. Dem Einzelnen wurde hier physisch die Dimensionen des eignen Daseins versinnbildlicht. Die Existenz des Einzelnen ist gering gegenüber den Vorstellungen von Ewigkeit, die die Kirchentradition schreibt. Dieses sind die Grundlagen der sinnes- und raum-übergreifenden Arbeit von Fabian Reimann und Phillip Schulze, die in zwei Phasen konzipiert ist. Die erste Phase von „Das lange Jetzt“ findet im Sommer 2017 statt. Sie dient als Grundlage für die zweite Phase, die über die Dauer von einem Jahr angelegt ist.

Der einzelne Besucher kann mitnichten die komplette Zeit for Ort verweilen, und damit schafft das Kunstwerk eine Metapher die Unmöglichkeit, Ewigkeit trotz aller Erkenntnis zu begreifen.

In „Das Lange Jetzt“ werden Klänge aus dem Gebäude durch Körperschalllautsprecher heraus moduliert, während Projektionen Bilder von den kleinsten und größten Ausblicken unserer Welten, auf Atome und ferne Planeten, lenken.