Eggman

2010 Egon Eiermann

Einer Vorstellung, wenn nicht so gar einem Verdikt der Moderne folgend hat der deutsche Architekt Egon Eiermann ein Möbelstück mit dem Anspruch auf Universalität und Effektivität entworfen. Das Tischgestell Eiermann 1 von 1953, inzwischen ein Klassiker der Nachmoderne, erfüllt den Anspruch von raffiniertem Ingenieurgeist, Reduktion der Form auf die Funktion, Vereinheitlichung, unemotionaler Schlichtheit und Serialität.

 

Expert textpert choking smokers,
Don‘t you thing the joker laughs at you?

(…)

I am the eggman, they are the eggmen.
I am the walrus, goo goo g‘joob g‘goo goo g‘joob.
Goo goo g‘joob g‘goo goo g‘joob g‘goo… (etc.)

The Beatles »I am the walrus« (1967)

Poussin Lectures

2009 2013 Anthony Blunt

In dem Roman „The Untouchable“ (Der Unberührbare, 1997) lässt der Schriftsteller John Banvilles den Kunsthistoriker Blunt sprechen, inwieweit er den Künstler Nicolas Poussin überhaupt für die Nachwelt populär und dadurch überhaupt zu einer Figur der Kunstgeschichte gemacht hätte.

Freedom of Information Act: Prescripted Interrogation

2009 FBI Jasper Sharp


Freedom of Information Act

Seit 1967 ist den Bürgerinnen und Bürgern der Vereinigten Staaten die Einsicht in Regierungsdokumente gestattet. Nach der Watergate-Affäre im Jahr 1974 gab es eine Novellierung. Inzwischen sind historische Fälle der US-Geschichte weitgehend öffentlich zugänglich. Auf der Website des FBI befinden sich auch Informationen zu Anthony Blunt. Die meisten Seiten sind geschwärzt. Es lässt sich kaum noch etwas herausfinden.

Freedom of Information Act: Prescripted Interrogation
Das geschwärzte Dokument aus den FBI-Archiven wurde von mir noch einmal überarbeitet. Unter Weglassung aller Bezüge zu Personen, Daten und Orten ist ein Dokument entstanden, das ich zusammen mit einem Diktiergerät dem in Wien lebenden Kunsthistoriker und Kurator Jasper Sharp geschickt habe. Nachfolgend ist das Skript abgebildet, das aus den mehrfach redigierten Akten entstanden ist. Das Protokoll nach Drehbuch wird in der Installation auf einem Tonbandgerät abgespielt.

 

587.649

2012 Edwin Davis

Im Auftrag der Regierung der Vereinigten Staaten wurde die Anwendung von Energie auf den menschlichen Körper beauftragt. Der elektrische Stuhl wurde 1897 unter der Nummer »587.649« von dem Ingenieur Edwin Davis zum Patent angemeldet. Als modere Hinrichtungsmethode läutete dieses Instrument das 20. als das Jahrhundert der omnipräsenten Elektrizität endgültig ein.

Erscheinungskiste

Orgonakkumulator Wilhelm Reich

Der Psychologe und Sozialforscher Wilhelm Reich baute auf dieser Frage seiner Orgontheorie als sparchliches und methodisches System auf. Kosmische Lebensenergie sollte heilsam auf Menschen angewendet werden. Reichs berühmter Orgonakkumulator ist die bekannteste Anwendung dieser Orgon-Energie. Das Objekt »Erscheinungskiste« nimmt direkt darauf bezug.

Uranonyme

2012 Atomwissenschaft

Viele verschiedenen Namen hatte Uran, Abraum, Pechblende, bis es nicht mehr als leuchtendes Glasfärbemittel sondern als das nukleare Material entdeckt wurde. Militärisch wurde es auch mit dem Tarnnamen Wismuth tituliert. Welches Bild gehört zu welchem Namen, oder ergeben alle eines — als Schatten?

Unendliche (beschränkt)

2012 Atomwissenschaft Brancusi

Werner Heisenberg hatte im Keller des Schlosses des kleinen Örtchens Haigerloch einen Versuchsreaktor aufgebaut, der in den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs von der Alliierten-Mission „Also Epsilon Toothpaste“ entdeckt wurde. Die eigentlichen Brennstäbe des Reaktors waren Uranwürfel, die aufgefädelt an den Ecken aneinanderstoßen. Auf den ersten Blick hatten die Fotos davon eine Assoziation an Brancusis mystifiziertes Pariser Atelier ausgelöst.

Der Gedanke weitergesponnen legt ein Bild nahe, das Wissenschaftler und Künstler sehr ähneln lässt. Menschen die alleine einer Sache verschrieben sich eremitisch dieser widmen und nahezu esoterisch werden. Das ist ein wenig Kitsch, das gebe ich zu. Aber so ist es auch mit den Fragen nach dem Beginn der Welt und der Unendlichkeit die sich eine unendliche Säule auf ein Maximum von 47 Metern beschränken kann?

Gruppe von vier Skulpturen, Holz, je 280 cm und eine Zeichnung.

Leuchtfeuer

2006

Bei dieser Skultpturengruppe geht es um allerhand: Das Erzeugen von Furcht, die Inszenierung von Einschüchterung und das labile Gleichgewicht scheinbar vertrauter Koordinaten. Die verführerische Bedrohlichkeit seines skulpturalen Systems spiegelt die Frage wieder, wie es sich im permanenten Angstzustand lebt. Where will your family be when disaster strikes? Hurricane, Freak Wave, Hazardous Materials Spill, Earthquake und Terrorist Attack lauten nun die Homeland Security-Fragen – wo einst als Stellvertreter aller Ängste die Bombe war. So macht jeder Alltags-Gegenstand paranoid: »Es geschah ohne Warnung“.

Brücke der Einheit

2012 2013 Berlin Deutsche Teilung Kalter Krieg Potsdam Spione

Die Dia-Installation »Brücke der Einheit« zeigt in Überblendungen verschiedene romantisierende Ansichten einer Seenlandschaft – des Glienicker Sees bei Potsdam bzw. Berlin, gesehen und fotografiert zur Stunde des Sonnenaufgangs von verschiedenen Standpunkten der Glienicker Brücke aus gesehen. Der Ort der Aufnahme, die sogenannte »Brücke der Einheit«, die mehr ein Symbol der deutschen Teilung gewesen ist, bleibt weitestgehend ausgeblendet.

Ich sehe

2012 Kalter Krieg Luftaufklärung

 

Die Dia-Installation »Ich sehe« besteht aus der Reproduktion einer Brieftaube, der ein automatischer Fotoapparat umgebunden wurde und einer Doppelprojektion, auf der man vorerst ein Gewirr von Zeichen erkennt. Steht man zwischen Bild und Projektor verdeckt man die eine oder andere Projektion und liest, auf englisch oder russisch: Ich sehe. Diese Arbeit bezieht die willenlose Befehlsausführung desjenigen, der Luftaufnahmen im militäriischen Auftrag und den Moment des Erkennens beim Betrachten gleichermassen ein.