freeman’s journal #9

2010 edit Elektrizität Energie Fortschritt Katrin Menne Krachkultur Max Schulze schwarzweiss Technik Weltraum

Von der Ausgabe 9 des freeman’s journal sind mehrere Kapitel erschienen, jeweils in einem anderen Magazin, von 2009 bis 2010. Immer geht es um Fortschritt, Technik, Elektrizität, Weltraum ..

Kapitel 1 erschien in dem von Max Schulze und Katrin Menne herausgegebenen Magazin „schwarzweiss3“.

Kapitel 2 wurde kurz darauf in der Ausgabe 51 des Literaturmagazins „edit“ veröffentlicht.

Kapitel 3 war mein erster Beitrag in dem Magazin „Krachkultur, Ausgabe 13“, dessen Mitherausgeber ich 20 Jahre war.

Kaptel 4 in dem Magazin von Anton Schwarzbach herausgegeben Magazin Prolog

Eggman

2010 Egon Eiermann

Einer Vorstellung, wenn nicht so gar einem Verdikt der Moderne folgend hat der deutsche Architekt Egon Eiermann ein Möbelstück mit dem Anspruch auf Universalität und Effektivität entworfen. Das Tischgestell Eiermann 1 von 1953, inzwischen ein Klassiker der Nachmoderne, erfüllt den Anspruch von raffiniertem Ingenieurgeist, Reduktion der Form auf die Funktion, Vereinheitlichung, unemotionaler Schlichtheit und Serialität.

 

Expert textpert choking smokers,
Don‘t you thing the joker laughs at you?

(…)

I am the eggman, they are the eggmen.
I am the walrus, goo goo g‘joob g‘goo goo g‘joob.
Goo goo g‘joob g‘goo goo g‘joob g‘goo… (etc.)

The Beatles »I am the walrus« (1967)

The Surveyor

2010 Anthony Blunt Raumesssay

1979, Sir Anthony Frederick Blunt ist nicht mehr Sir. Der Grund dafür liegt weit zurück in Cambridge, wo er studierte. Dort kam er mit einem geheimen Kreis von Männern zusammen, jung und von glühender Leidenschaft für den Kommunismus. Später wurden sie bekannt als die Cambridge Five. Der erste von ihnen wurde 1951 enttarnt, der zweite ein Jahr später. Blunt war zu dieser Zeit Professor für Kunstgeschichte und Berater der Queen in Kunstdingen, er betreute die Gemäldesammlung der Windsors als Surveyor of the Queen’s Pictures. Französische und italienische Kunst waren sein Schwerpunkt, Poussin insbesondere. 1963 flog der dritte aus dem Kreis der Cambridge Five auf, er hatte sich wie schon die anderen nach Moskau abgesetzt. Blunts zweite Identität wurde ein Jahr darauf bekannt – aus Rücksicht auf die Queen aber nicht in die Öffentlichkeit getragen. Margaret Thatcher tat dies 15 Jahre später. „Durch sein öffentliches Schweigen wurde Blunt, der Undurchschaubare – und scheint es bis heute –, eine perfekte Folie, auf die sich hemmungslos projizieren lässt. Distinguiertheit und Distanz schufen das Bild des ›Unantastbaren‹. In Abwesenheit des konkreten Blunt, der weder seinen Zeitgenossen noch der Nachwelt den Gefallen ausführlicher Selbstzeugnisse tat, scheint Blunt als Figur folgerichtig dort am überzeugendsten und eindeutigsten zu sein, wo er sich in Fiktion verwandelt: als „The Untouchable“, also wörtlich der Unantastbare, aber auch der Unberührbare in John Banvilles Roman von 1997, oder als der Kunsthistoriker, Spion und Höfling, der sich jeder Festlegung, jeder Zuschreibung entzieht, in Alan Bennetts Theaterstück „A Question of Attribution“ von 1988.“

bestehend aus
Freedom of Information Act: Carbon Copy
Freedom of Information Act: Prescripted Interrogation
One Second Distance
Poussin Lectures

Als integraler Teil wurde das Buch mit dem gleichlautenden Titel veröffentlicht „The Surveyor“

Warpig

2010 D21 Kunstraum Leipzig Odysseus Polyphem

 

 

Das „Warpig“ könnte eine klare Anspielung auf Songs von Black Sabbath oder Figuren von Motörhead sein. In diesem Fall hat es auch einiges mit dem Beginn der Irrfahrten des Odysseus zu tun, dem seine berühmte Kriegslist voranging. Im Bauch der Holzskulptur läuft ein Video in einer Schleife, steigt man die Leiter hinauf kann man den Kopf dort hineinstecken und blickt in ein einäugiges, bärtiges Gesicht. Der Zyklop Polyphem in seiner Höhle spricht die sehnsüchtigen Gedanken des Odysseus aus der Monumentalverfilmung der Odyssee: „Ich weiss nicht, ich bin immer von Unruhe erfüllt. Ich glaube, es wohnen zwei Seelen in mir, die eine zieht mich zurück nach Haus und Herd, die andere auf das offene Meer – und das Abenteuer.“

Hollywood Vision

2010 Godzilla

Es ist schon so, dass ich Godzilla für ein ganz besonderes Riesenmonster halte. Immerhin sind die Episoden und deren Anpassungen an die Veränderung der Welt mit nichts so vergleichbar wie der Serie der James Bond-Filme. 1954 erblickt Godzilla das Licht der Welt in Shigeo Hondas gleichnamigem Film. Das wahrscheinlich berühmteste Film-Monster neben King-Kong war ein Kassenschlager, der auch in den USA die Massen in die Kinosäle locken sollte. Doch dafür bedurfte es nicht nur einer Synchronisation sondern einiger weiterer Änderungen. Raymond Burr spielt den Journalisten Steve Martin, der als Hauptfigur in die Godzilla Geschichte eingeführt wird. In der Arbeit »Die Hollywood-Vision« sind ausschließlich die Zusatzszenen in ihrer Sinnfremdheit aneinander geschnitten. Es kommt auf eine Länge von 19 Minuten und 44 Sekunden. Der Film schliesst mit einem Monolog: »Mit der Vernichtung des Godzilla ist die Gefahr für uns alle nicht aus der Welt geschaffen. Wenn wir in maßloser Vermessenheit fortfahren, die Atomkraft zu missbrauchen kann es sein, dass Schlimmeres geweckt wird, kann es sein, dass grösseres Unheil über uns hereinbricht als dieser Godzilla.« Der Monolog wurde in der US-amerikanischen Version zu Gunsten einer Stimme aus dem Off gestrichen: »Give us strength to build up our beloved land. (…)«