Reiter auf dem Sturm

2011 Edwin Davis Nicola Tesla Wilhelm Reich

Warum ist der elektrische Stuhl erfunden worden? Wie spricht der Hund zum Herrchen? In dieser Ausstellung versucht Fabian Reimann im faustschen Sinne auf des Pudel Kern einer Welt im künstlichen Licht vorzudringen.

Um 1900 war die Welt faktisch geworden. Sie war stückenweise enträtselt, man hatte die kleinsten Bausteine des Lebens in Atome zerlegt und forschte an Geist und Psyche des Menschen. Es sind universelle Fragen gewesen, die manchen Menschen zur Obsession geworden sind: Woher kommt die Energie, die alle Dinge in Bewegung und am Leben hält. Und sind wir permanent von dieser Energie umgeben? Forschungsdrang, Erfindergeist und damit zusammenhängende Betriebsblindheit sind Themen, die in der Ausstellung Reiter auf dem Sturm mit drei historischen Personen und deren Werk zusammengeführt werden.

Bestandteile des Raumesays:

Erscheinungskiste

ACAC

587.649

ACAC

2011 Nikola Tesla

Der Pionier des elektrischen Stroms Nikola Telsa entwickelte in seinem Refugium in Colorado die Theorie eines Welt-Energie-Systems. 1901 meldete er ein Patent für einen Apparat zum Gebrauch von Stahlungsenergie an. Die von ihm definiert Raumenergie sollte in elektrischen Strom umgewandelt werden. Die effektreichen Entladungen von Blitzen aus elektrischen Ladungen, die Tesla in seinem Labor vorführte zeigt »ACAC / Altering Current after Christ«. Tesla selbst bleibt ein Schatten an der Stelle, in die er sich in das Bild hatte angeblich hineinmontieren lassen.

YELL

2011 Bremen Edition GAK Tarzan

Die Gesellschaft für aktuelle Kunst hatte mich darauf angesprochen, ob ich eine Jahresgaben beisteuern könnte. Zu der Zeit setzte ich mich mit dem Verfasser der Mars-Chroniken, Edgar Rice Burroughs, auseinander. Wesentlich berühmter war dieser Schriftsteller mit einer Romanserie geworden, die sich an Rudyard Kiplings Dschungelbüchern orientiert haben könnte.

Darin weniger enthalten ist die folgende die Auseinandersetzung, die Gegenstand der Edition wurde: Die These zur Urheberschaft des Tarzan-Rufes, der sich aus der Stimme des Tarzan-Darstellers Johnny Weissmuller, dem Schrei einer Hyäne, dem Jaulen eines Kamels, dem Knurren eines Hundes und der gezupften G-Seite einer Geige zusammensetzt. Dieses Klang-Konglomerat  habe ich in in Bezug zum Geschrei der Bremer Stadtmusikanten gesetzt: In fünf Digitaldrucken gesellen sich Esel, Hund, Katze oder Hahn zu den Erzeugern des Tarzan-Rufes.

In übereinander gelegten Motiven und Farbfeldern findet der tierische Vielklang seine visuelle Entsprechung und wird auf der Rahmenrückseite mit einem erläuternden Text ergänzt.

 

 

Die Zukunft hatte begonnen

2011 Heide Nord Leipzig Margret Hoppe Ralo Mayer

Ausgehend von den Begriffen Zweiten Modern, oder der Zeit, als der Kalte Krieg recht heiss war, entwickelte ich die Ausstellung „Die Zukunft hatte begonnen, in Anlehnung an Robert Jungks „Die Zukunft hat schon begonnen“.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kam es weltweit zu parallelen Entwicklungen, mit denen das Ende der Moderne konstatiert werden kann. In diese Zeit fällt ein ganz spezifischer Umgang mit dem Begriff Zukunft und dessen Erlösungsversprechen einer geeinten Welt. Die Ausstellung versammelt exemplarische künstlerische Positionen zu diesem ambivalent Themenfeld.

Mit Margret Hoppe, Ralo Mayer, Heide Nord und Fabian Reimann

Kunstverein Leipzig, 2011

Black Session

2011

Ein schwarzer Kasten steht da, eine Art Flight Case in matt schwarz, und eine Ähnlichkeit mit Stanley Kubricks Monolithen ist nicht unbeabsichtigt. Daraus werden zwei Bilder projiziert und vier Stimmen sprechen. Die Bilder liegen auf der Wand übereinander, zwei Medienereignisse des 20. Jahrhunderts vermischen sich. Es ist die erste weltweite Fernsehübertragung über Satellit, live und in Farbe: Elvis auf Hawaii. Der Musiker überblendet die Mondlandung, oder umgekehrt.

Andy, die erste Computerstimme meines Betriebssystems, spricht dazu eine Auflistung der Bilder, die mit der Goldenen Schallplatte auf der Voyager-Sonde seit 1977 durch das Weltall reisen, ein Zitat von Joshua Mehigan, ein Spottgedicht von G. Mennen Williams und einen Text, in dem ich selbst über den Film „Am tag las die erde stillstand“ reflektiere. Man muss schon das Ohr an die Box legen, um das Gemurmel zu verstehen.

Am Tag, als die Erde still stand, informierte der Gesandte eines fernen Planeten die Menschheit darüber, dass man auf seinem Heimatplaneten terristrische Radioprogramme empfangen hätte. Dieser Abgesandte hieß Klaatu, und die Welt reagierte erstaunt und verunsichert auf seine Botschaft. Der Besuch Klaatus auf der Erde bedeutete, dass die unendlichen Weiten des Weltalls zu messbaren Einheiten geworden waren. Auf all den erzeugten Schall, der diffus ins All ging, bekam die Menschheit nun eine Resonanz.

The Surveyor

2011 Anthony Blunt Denise van de Beek Jan Wenzel Spionage Stephanie Tasch

2009 wurde eine erste Fassung des Raumessays The Surveyor gezeigt. Bis dahin war viel Material zusammengekommen, das nicht in diese Ausstellunsgsituation passte. Das Medium für das Material war, das würde mir bald klar, ein Buch. So begann 2009 die gezielte Fortsetzung der Recherchen für ein Buch mit demselben Titel wie die Installtion. Darin wird die Ausarbeitung der Freedom of Information Act Materialen beschrieben, es enthält aber auch meine Abschriften des Bekennerschreibens aus dem Nachlass von Anthony Blunt. Ich konnte Stefanie Tasch, Denise van de Beek und Jan Wenzel als AutorInnen gewinnen.

Deutsch / Englisch
146 Seiten.
zahlreiche Abbildungen
ISBN:9783940064943
32,00 Euro

1979, Sir Anthony Frederick Blunt ist nicht mehr Sir. Der Grund dafür liegt weit zurück in Cambridge, wo er studierte. Dort kam er mit einem geheimen Kreis von Männern zusammen, jung und von glühender Leidenschaft für den Kommunismus. Später wurden sie bekannt als die Cambridge Five. Der erste von ihnen wurde 1951 enttarnt, der zweite ein Jahr später. Blunt war zu dieser Zeit Professor für Kunstgeschichte und Berater der Queen in Kunstangelegenheiten, er betreute die Gemäldesammlung der Windsors als Surveyor of the Queen’s Pictures. Französische und italienische Kunst waren sein Schwerpunkt, Poussin insbesondere. 1963 flog der dritte aus dem Kreis der Cambridge Five auf, er hatte sich wie schon die anderen nach Moskau abgesetzt. Blunts zweite Identität wurde ein Jahr darauf bekannt – aus Rücksicht auf die Queen aber nicht in die Öffentlichkeit getragen. Margaret Thatcher tat dies 15 Jahre später.