Ich sehe

2012 Kalter Krieg Luftaufklärung

 

Die Dia-Installation »Ich sehe« besteht aus der Reproduktion einer Brieftaube, der ein automatischer Fotoapparat umgebunden wurde und einer Doppelprojektion, auf der man vorerst ein Gewirr von Zeichen erkennt. Steht man zwischen Bild und Projektor verdeckt man die eine oder andere Projektion und liest, auf englisch oder russisch: Ich sehe. Diese Arbeit bezieht die willenlose Befehlsausführung desjenigen, der Luftaufnahmen im militäriischen Auftrag und den Moment des Erkennens beim Betrachten gleichermassen ein.

Quick Appearance

2012 Gary Powers U2

 

 

Dies sind aus dem Gedächtnis skizzierte Umrisse verschiedener U2-Flugzeuge, die zu einer Raumzeichnung zusammengefügt wurden. Mehrere Flutlichter leuchten auf und werfen  Schatten an die Wand. Die Materialität der Stahlskulptur tritt in ein Verhältnis zu der flüchtigen Zeichnung der eigenen Schatten, die vom Aufblitzen der Lichter im abgedunkelten Raum erscheinen.

Vermeintlich letzte Worte

2012 Rudolph Abel

 

 

Als Rudolph Abel aus der Haft entlassen in der UdSSR als Pensionär lebte wurde es still um ihn. Mit Toupet sieht man in Spionage-Film einige einleitende Worte sprechen. Als er starb soll zu seiner Tochter auf diese vermeintlich letzten Worte auf Englisch gesagt haben: In the End We Are All Germans. Wenn ich einmal viel Zeit habe werde ich Ihnen erklären, wie ich das verstanden habe, bis dahin bleibt der Gedenkstein.

Another Earth Catalog

2012 2014 Gegenkultur Kybernetik Whole Earth Catalog

Nach dem ich im Kunstverein Leipzig im Winter 2011 die Ausstellung „Die Zukunft hatte begonnen“ umgesetzt hatte arbeiten ich an dem übergeordneten Thema der Zukunftsutopie im 20. Jahrhundert weiter.

So kam ich zum „Whole Earth Catalogue“, der von 1968 bis 1972 erschien. In dieser Serie von Büchern wurden Produkte und Publikationen der Gegenkultur dieser Zeitvorgestellt. Kaufen konnte man nichts. Es sollte, wie der Untertitel lautete, den Zugang zu Werkzeugen – „Access to tools“ – für den Geist und Alltag geben.

Mit dem Förderpreis der Arthur Boskamp-Stiftung konnte ich 2012 die Arbeit an „Another Earth Catalog“ beginnen: Welche Ideen aus dieser Epoche salonfähig geworden sind, und welche als unsinnige oder unrealisierbare Visionen zu vergessenen oder toten Ideen zählen. Manche wurden in die Praxis umgesetzt, für andere war die Zeit vielleicht noch nicht so weit, oder wird eventuell nie kommen.

„Another Earth“ sollte eine Zeitmaschine werden, in der die Ideen aus der Vergangenheit als nostalgisch oder visionär erscheinen, es könnte eine Reise in die Zukunft vom Jahr 1969 aus sein.

Das Buch erschien 2012 und wurde recht erfolgreich.

Bald erschien eine zweite erweiterte Auflage. Die dritte ist in Vorbereitung.

EN
Gestaltung/ Design: Fabian Reimann
192 Seiten, Englisch,  fadengeheftete Broschur mit 171 Abbildungen
Spector Books, Leipzig 2012, 2014,
ISBN 978-3-940064-64-6
EUR 12.00

„Fabian Reimann nimmt den erstmals 1968 als umfassendes Verzeichnis für Werkzeuge zur Welt- und Selbstverbesserung publizierten »Whole Earth Catalog« als Ausgangspunkt für eine letzte Ausgabe seines seit über 10 Jahren betriebenen, bildessayistischen Egozines »freeman’s journal«.

Sein »Another Earth Catalog« besteht aus einer, nur durch einen persönlichen Text unterbrochenen, Bildfolge: Abbilder der Utopien der späten 1960er Jahre – dabei handelt es sich nicht nur um die im »Whole Earth Catalog« publizierten, sondern auch um andere visionäre Projekte aus jenen Jahren zwischen Kaltem Krieg und beginnender Postmoderne. Fabian Reimann folgt lose den fünf Kategorien des »Catalogs« (Understanding Whole Systems, Shelter and Land Use, Industry and Craft, Communications, Community, Nomadics and Learning) und verknüpft die Visionen der späten 1960er Jahre mit aktuellen Bildern, die Entwicklungen aufzeigen, die in den Fantasien jener Jahre ihren Ursprung haben.“