Planet Utopia – eine Demonstration

2019 Affen Revolution

Vor dem Hintergrund einer Ausschreibung der Ausstellung „Besetzung Belegung, Bespielung – Bemächtigung und Besitzung von Utopien“ habe ich mich dem Thema des Jubiläums der Wiedervereinigung gestellt. In den Osten Deutschlands kam eine neue Welt von Privatfernsehen, Warenfluten und massenhaft mediaisierten Bilder.
Aber nicht alle dieser Welten waren greifbar im Werbefernsehen und das Versprechen eines Wohlstands für alle hat sich bis heute nicht eingelöst.
Es ist noch wie vor ein langer Weg zu einer idealen Gesellschaft. Im Sinne der Utopie ist die Gegenwart eine Enttäuschung. In den sozialistischen Ländern wurde diese als ein Dasein in der Zukunft versprochen.

In der Ausstellung wurde eine narrative Installation aus Arbeiten auf Papier und Projektionen gezeigt. Der erste Deutsche im All trifft auf Volkspolizisten, der Planet der Affen auf Winnetou und die Schlacht am Big Sur. Währenddessen dreht sich der Weltraumaffe Ham im Kreis und Bilder aus dem Buch „Space Colonies“ rotieren daneben. Das Display dazu ist von Demonstrationstransparenten und -schildern und Absperrungen abgeleitet.

 

 

Leichter als Luft

2019 Warburg-Universum Zeppeline

2018 hatte ich im Jahresmagazin des Landesverband Bildende Kunst, Sachsen, den Bildessay „Leichter als Luft“ veröffentlicht. Der thematische Rahmen war „Original und Kopie“. 2019 wurde ich zu der Ausstellung „PARADIGMA Blickwechsel – copyright“ eingeladen. Dies wohl vor allem wegen der Aufmersamkeit auf „Leichter als Luft“. Es lag nahe, diesen Bildessy aufzugreifen, um daraus eine narrative Installation zu entwickeln, die sich mit dem Verhältnis zu den eigenen Quellen auseinandersetzt. So entstand eine Wunderkammer, ein Archiv, eine räumliche Quellensammlung zu dem Thema „Leichter als Luft — Weltfahrten“, Reisen durch das Warburg-Universum.

 

 

 

 

2 Aurora

2019 Aurora St. Petersburg

„Schau hinauf ins Universum, wo das Paradox regiert“
(Die Fantastischen Vier, Der Tag am Meer)

Wir leben in unsicheren Zeiten. Und nicht selten geschehen die Dinge anders als geplant und werden trotz allem Geschichte. Oder gerade darin liegt der Grund, in Zufall und Chaos. Menschen suchen Sicherheit und Ordnung. Deshalb soll das Chaos seit Anbeginn erklärt werden.

Wir schauen auf den Schmetterling und fragen uns, ob dieser Falter einen Tsunami auslösen wird, eine Havarie in einem Atomkraftwerk oder einfach eine Revolution.

Wir sehen den Aurorafalter in seiner Entfaltung. Wir sehen eine Möglichkeit der Dinge, die kommen können. Wir denken an Moleküle und freie Radikale.

Wir schauen auf das Schiff Aurora in St. Petersburg, zwei Denkmäler und können uns denken, was haben unsichere Zeiten bereits hervorgebracht, das niemand für möglich gehalten hätte.

 

 

A Bosom is a Valley of Water

2019 Petersburg

Die Küste ist die Schnittstelle zwischen dem Land, Lebensraum der Menschen, und dem Meer. Der Hafen ist der menschengemachte Ort, um das Meer bereisen zu können. Es ist ein Ort des Transits, des Handels. St. Petersburg verfügt derzeit über 29 Häfen.Damit öffnet die Stadt die Tore für zahlreiche Geschichten, die mit ihrer eigenen und denen des Meeres verbunden sind. Im Laufe des Aufenthaltes in Sankt Petersburg sind mehrere großformatige Grafiken entstanden, auf denen unterschiedlich Betrachtungen auf das gelenkt werden, was man auf den ersten Blick schwerlich dem Meer ansehen.

Im Laufe der Arbeit bin ich auf die Form der Portolankarte gekommen. Also eine traditionelle Form der Darstellung die einer Landkarte ähnelt. Gezeigt werden die Verbindungen von Häfen. Diese Linien führen zu sehr ästhetischen Verbindungen, deren Sinn sich nur dem Wissenden erschliesst. Die Kartenform und die Küstenlinie der Finnischen Bucht sind die Form und das Display der Grafiken.

Links Alle Weissen Nächte von St. Petersburg Mitte Bravo Zulu rechts Kronstadt

Links Kronstadt rechts Armada

Links Portolan negativ rechts Schmetterlingseffekt

HYPERBODIES

2019 Berlin bücking&kröger

28.03.2019, 20.30 Uhr Premiere
29.-31.03.,:  20:30 Uhr

Uferstudios
Studio 1
Uferstr. 23
13357 Berlin

Wie manifestiert sich Pathos im Körper? Wie lassen sich pathetische Körperbilder produzieren, wie lassen sie sich unterlaufen und mit neuen Bildern und Bewegungen überlagern?
Mit ihrer neuen Produktion HYPERBODIES untersuchen bücking&kröger Phänomene des Pathos, der Schwülstigkeit und der Ãœbertreibung. In den letzten Jahren zu beobachtende Rede- und Auftrittsweisen zeigen, dass die große Geste wieder da ist oder nie weg war. Pathos scheint heute (wieder) eine politische Wirkungsmacht zu haben.
Im Zentrum der Arbeit der Choreograf*innen Florian Bücking und Raisa Kröger steht dabei der Körper als Träger kultureller und historischer Motive, sowie als Spiegel aktueller Probleme. Pathosformeln des Manierismus und manieristische Bilder von bewegten Körpern, gekennzeichnet durch groteske Ornamentik und verzerrte Körperproportionen, werden in Korrelation gesetzt zu den umgebauten, gebogenen, überladenen Körper auf der Bühne: Hyperkörper. Diese werden transformiert, schwellen an, kippen aus ihrer Form und zerfließen in überdimensionale schwülstige Gebilde, die ihre kraftvolle anziehende Wirkung offenbaren und zugleich darin entlarvt werden. Pathetische Bilder schwanken zwischen Feierlichkeit und Komik und werden so in ihrer Struktur aufgebrochen und unterwandert.

Konzept, Choreografie, Performance Florian Bücking, Raisa Kröger

Raum, Grafik Fabian Reimann
Musik Julius Born

Kostüm Michiel Keuper

Lichtdesign Martin Pilz

Produktionsdramaturgie Johanna Withelm
Produktionsassistenz Katharina Meyer
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Lilly Schofield
Pressefotos und Dokumentation Mayra Wallraff

alle Fotos: Mayra Wallraff