The Surveyor

2008-2010 Anthony Blunt

1979, Sir Anthony Frederick Blunt ist nicht mehr Sir. Der Grund dafür liegt weit zurück in Cambridge, wo er studierte. Dort kam er mit einem geheimen Kreis von Männern zusammen, jung und von glühender Leidenschaft für den Kommunismus. Später wurden sie bekannt als die Cambridge Five. Der erste von ihnen wurde 1951 enttarnt, der zweite ein Jahr später. Blunt war zu dieser Zeit Professor für Kunstgeschichte und Berater der Queen in Kunstdingen, er betreute die Gemäldesammlung der Windsors als Surveyor of the Queen’s Pictures. Französische und italienische Kunst waren sein Schwerpunkt, Poussin insbesondere. 1963 flog der dritte aus dem Kreis der Cambridge Five auf, er hatte sich wie schon die anderen nach Moskau abgesetzt. Blunts zweite Identität wurde ein Jahr darauf bekannt – aus Rücksicht auf die Queen aber nicht in die Öffentlichkeit getragen. Margaret Thatcher tat dies 15 Jahre später. „Durch sein öffentliches Schweigen wurde Blunt, der Undurchschaubare – und scheint es bis heute –, eine perfekte Folie, auf die sich hemmungslos projizieren lässt. Distinguiertheit und Distanz schufen das Bild des ›Unantastbaren‹. In Abwesenheit des konkreten Blunt, der weder seinen Zeitgenossen noch der Nachwelt den Gefallen ausführlicher Selbstzeugnisse tat, scheint Blunt als Figur folgerichtig dort am überzeugendsten und eindeutigsten zu sein, wo er sich in Fiktion verwandelt: als „The Untouchable“, also wörtlich der Unantastbare, aber auch der Unberührbare in John Banvilles Roman von 1997, oder als der Kunsthistoriker, Spion und Höfling, der sich jeder Festlegung, jeder Zuschreibung entzieht, in Alan Bennetts Theaterstück „A Question of Attribution“ von 1988.“

bestehend aus
Freedom of Information Act: Carbon Copy
Freedom of Information Act: Prescripted Interrogation
One Second Distance
Poussin Lectures

Als integraler Teil wurde das Buch mit dem gleichlautenden Titel veröffentlicht „The Surveyor“

Poussin Lectures

2009 2013 Anthony Blunt

In dem Roman „The Untouchable“ (Der Unberührbare, 1997) lässt der Schriftsteller John Banvilles den Kunsthistoriker Blunt sprechen, inwieweit er den Künstler Nicolas Poussin überhaupt für die Nachwelt populär und dadurch überhaupt zu einer Figur der Kunstgeschichte gemacht hätte.

Freedom of Information Act: Carbon Copy

2009 Anthony Blunt FBI

Freedom of Information Act

Seit 1967 ist den Bürgerinnen und Bürgern der Vereinigten Staaten die Einsicht in Regierungsdokumente gestattet. Nach der Watergate-Affäre im Jahr 1974 gab es eine Novellierung. Inzwischen sind historische Fälle der US-Geschichte weitgehend öffentlich zugänglich. Auf der Website des FBI befinden sich auch Informationen zu Anthony Blunt. Die meisten Seiten sind geschwärzt. Es lässt sich kaum noch etwas herausfinden.
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Carbon Copy

Die im Rahmen des Freedom of Information Act veröffentlichten Dokumente über Anthony Blunt scheinen alte Fotokopien zu sein. Analoge Kopiergeräte konnten keine Graustufen erzeugen. So entstanden schwarz-weiße Strukturen als Interpretationen von Bildern oder Farben. Bei den vorliegenden Seiten handelt es sich erneut um Kopien. Das Skript für die Tonaufzeichnung lieferte die Vorlagen für dieses Umkopieren mit Kopierpapier. Die Carbon-Copies selbst befinden sich in der Installation.

 

One Second Distance

2009 Anthony Blunt

Zu sehen ist Anthony Blunt in seinem Arbeitszimmer, der, als er bemerkt, fotografiert worden zu sein, aufblickt. Die Kamera ist gedreht worden und ein zweites Bild gemacht. Diese Bilder wurden übereinander gelegt, man sieht mehr von dem Raum, kann dafür die Person in der Bildmitte durch die Doppelbelichtung weniger gut erkennen.

 

The Surveyor

2009-2011 Anthony Blunt Freedom of Information Act Jasper Sharp Spionage

 

 

 

The Surveyor

2011 Anthony Blunt Denise van de Beek Jan Wenzel Spionage Stephanie Tasch

2009 wurde eine erste Fassung des Raumessays The Surveyor gezeigt. Bis dahin war viel Material zusammengekommen, das nicht in diese Ausstellunsgsituation passte. Das Medium für das Material war, das würde mir bald klar, ein Buch. So begann 2009 die gezielte Fortsetzung der Recherchen für ein Buch mit demselben Titel wie die Installtion. Darin wird die Ausarbeitung der Freedom of Information Act Materialen beschrieben, es enthält aber auch meine Abschriften des Bekennerschreibens aus dem Nachlass von Anthony Blunt. Ich konnte Stefanie Tasch, Denise van de Beek und Jan Wenzel als AutorInnen gewinnen.

Deutsch / Englisch
146 Seiten.
zahlreiche Abbildungen
ISBN:9783940064943
32,00 Euro

1979, Sir Anthony Frederick Blunt ist nicht mehr Sir. Der Grund dafür liegt weit zurück in Cambridge, wo er studierte. Dort kam er mit einem geheimen Kreis von Männern zusammen, jung und von glühender Leidenschaft für den Kommunismus. Später wurden sie bekannt als die Cambridge Five. Der erste von ihnen wurde 1951 enttarnt, der zweite ein Jahr später. Blunt war zu dieser Zeit Professor für Kunstgeschichte und Berater der Queen in Kunstangelegenheiten, er betreute die Gemäldesammlung der Windsors als Surveyor of the Queen’s Pictures. Französische und italienische Kunst waren sein Schwerpunkt, Poussin insbesondere. 1963 flog der dritte aus dem Kreis der Cambridge Five auf, er hatte sich wie schon die anderen nach Moskau abgesetzt. Blunts zweite Identität wurde ein Jahr darauf bekannt – aus Rücksicht auf die Queen aber nicht in die Öffentlichkeit getragen. Margaret Thatcher tat dies 15 Jahre später.