Alsos Epsilon Toothpaste

2012 Atomwissenschaft Einzelausstellung Spionage

Alsos, Epsilon, Toothpaste – hinter diesem Titel der Ausstellung von 2012 verbarg sich die alliierte Geheimdienstmissionen aus den Jahren 1944/45.  Ziel war, die deutschen Atomphysiker, die Vertreter des „Uranverein“, zu verhaften und herauszufinden, inwieweit das Dritte Reich eine Atomwaffe entwickelt hatte.

In der Ausstellung ging es unter anderem um die universellen Weltformeln, wie sie im 20. Jahrhundert Konjunktur hatten. Von der Entdeckung des Atoms und der Kernspaltung als Weg der Nutzbarmachung neuer Energiepotentiale gab es eine Verknüpfung zu den Universalitätsansprüchen der Avantgarden der Kunst: Die in einem Landhaus bei Cambridge internierten Physiker, Constantin Brancusis unendliche Säule und der Kristall als Metapher der Moderne fügen sich zu einer formalästhetisch konsequenten aus Raum-, Licht-, Schattenzeichnungen und verlorener Form.

Bestandteile waren

Uranonyme

Uranclub

Unendliche beschränkt

Uranonyme

2012 Atomwissenschaft

Viele verschiedenen Namen hatte Uran, Abraum, Pechblende, bis es nicht mehr als leuchtendes Glasfärbemittel sondern als das nukleare Material entdeckt wurde. Militärisch wurde es auch mit dem Tarnnamen Wismuth tituliert. Welches Bild gehört zu welchem Namen, oder ergeben alle eines — als Schatten?

Unendliche (beschränkt)

2012 Atomwissenschaft Brancusi

Werner Heisenberg hatte im Keller des Schlosses des kleinen Örtchens Haigerloch einen Versuchsreaktor aufgebaut, der in den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs von der Alliierten-Mission „Also Epsilon Toothpaste“ entdeckt wurde. Die eigentlichen Brennstäbe des Reaktors waren Uranwürfel, die aufgefädelt an den Ecken aneinanderstoßen. Auf den ersten Blick hatten die Fotos davon eine Assoziation an Brancusis mystifiziertes Pariser Atelier ausgelöst.

Der Gedanke weitergesponnen legt ein Bild nahe, das Wissenschaftler und Künstler sehr ähneln lässt. Menschen die alleine einer Sache verschrieben sich eremitisch dieser widmen und nahezu esoterisch werden. Das ist ein wenig Kitsch, das gebe ich zu. Aber so ist es auch mit den Fragen nach dem Beginn der Welt und der Unendlichkeit die sich eine unendliche Säule auf ein Maximum von 47 Metern beschränken kann?

Gruppe von vier Skulpturen, Holz, je 280 cm und eine Zeichnung.

Alsos Epsilon Toothpaste

2012 Atomwissenschaft Spionage

Diese Broschüre wurde als Materialband zu der gleichnamigen Ausstellung veröffentlicht.

Uranclub

2012-2016 Atomwissenschaft Holzschnitt Spionage

Diese Portrait zeigen zehn deutsche Physiker, die im Rahmen der Geheimdienstoperation „Alsos Epsilon Toothpaste“ oder „Alsos III“ 1945 verhaftet wurden. Es handelte sich im Erich Bagge, Kurt Diebner, Walther Gerlach, Otto Hahn, Paul Harteck, Werner Heisenberg, Karl Wirtz, Carl Friedrich von Weizsäcker, Max von Laue und Horst Korsching die in der Nähe von Cambridge interniert wurden. Sie wurden verhört und heimlich abgehört. Ob Nazi-Deutschland eine funktionstüchtige Atombombe in Vorbereitung hatte liess sich nicht herausfinden.

Die Portraits dieser Männer sind in der Form von auf der Spitze stehender Quadrate, Karos auf der Spielkarte, im Englischen Diamond. Darauf entwickeln sich Strukturen. Die ersten sind gepunktete Linien, die in Holz geschnitten sind. Davon gibt es ein gedrucktes Bild. Dieses Holz, dieser Druckstock, ist weiter bearbeitet worden. Die Linien haben sich geschlossen. Gesichter treten deutlich, expressionistisch wirkend, hervor. Die Formen, die die Linien umschlossen haben, beginnen zu überstrahlen. Das Bild beginnt das Eigenleben eines Experiments, das sich selbst überlassen wurde. In der vierten Stufe verdichten sich die Formen zu Kreisen, Ovalen und Punkten. Die Formen näher sich der ersten Fassung. Es ging vom Dunklen ins Helle. Dann ist es vorbei. Von jeder Stufe gibt es ein gedrucktes Bild. Das Holz ist im Feuer verschwunden.

 

 

Freeman’s Journal 2

2004 Atomwissenschaft

Nach der ersten Ausgabe begann ich mit der Form des Magazins als künstlerische Arbeit zu experimentieren.

Die Atombombe wurde in der Zeit des Kalten Krieges richtiggehend zum Mythos.

Testgebiete, Mutanten und kalkulierter Irrsinn stehen im Mittelpunkt der Ausgabe 2 des fj auf.

 

200 Miles to Trinity

2009 Atomwissenschaft

Irgendwann wollte ich dann doch wissen, wie es da aussieht, wo die ersten Atombomben der Welt entwickelt – und getestet wurden. Im Herbst 2009 machte ich mich auf den Weg nach New Mexico. Es gibt zwei Tage im Jahr, zu denen man das militärische Sperrgebiet Alamogordo betreten kann, das sonst als Übungsplatz für verschiedene Armeen, wie die US Airforce oder auch die Luftwaffe, zum Bombenabwerfen genutzt wird. Dieses Bombodrom kann am ersten Samstag im April oder Oktober besucht werden.
Zuvor wollte ich die Wege nachvollziehen, die zwischen den Orten, wo die Bomben gebaut und wo sie getestet wurden, liegen.
Zuerst ging es nach Los Alamos, ein kleines Städtchen, in dem es bis 1942 ausser dem privaten Internat von Ashley Pont nichts gegeben hat. In die idyllische Hügellandschaft New Mexicos wurde das Manhattan Project gesetzt. Unter diesem Codename entwickelten die USA die erste Atomwaffe. Strenge Geheimhaltung war damals – wie heute in den Los Alamos National ehemals Scientific Laboratory erste Priorität. Es sind über die Jahre desaströse Sicherheitslücken des LANL, bekannt geworden, und ich frage mich, was davon den Gebäuden und den Räumen anzumerken ist wie auch der Geschichte, die sie repräsentieren. Aber diese Gebäude sind allesamt, so wie fast alle festen Bauten erst später entstanden. Der Ort selbst hat seine kurze Geschichte mit einem Heimat- und einem Atommuseum aufbereitet. Über die Stadt verteilt finde ich zahlreiche Gedenktafeln, die ich zu kopieren beginne, mit Bleistift und Papier. So entstehen die ersten Frottagen, die zu einer umfangreichen Serie anwachsen, und meine leibliche Anwesenheit in der „Atomic City“ wiedergeben, und ihre nach außen gerichteten Dokumente der Geschichtsschreibung.

 

 

 

 

(Fotos Smudge Studio)