Alsos Epsilon Toothpaste

2012 Atomwissenschaft Einzelausstellung Spionage

Alsos, Epsilon, Toothpaste – hinter diesem Titel der Ausstellung von 2012 verbarg sich die alliierte Geheimdienstmissionen aus den Jahren 1944/45.  Ziel war, die deutschen Atomphysiker, die Vertreter des „Uranverein“, zu verhaften und herauszufinden, inwieweit das Dritte Reich eine Atomwaffe entwickelt hatte.

In der Ausstellung ging es unter anderem um die universellen Weltformeln, wie sie im 20. Jahrhundert Konjunktur hatten. Von der Entdeckung des Atoms und der Kernspaltung als Weg der Nutzbarmachung neuer Energiepotentiale gab es eine Verknüpfung zu den Universalitätsansprüchen der Avantgarden der Kunst: Die in einem Landhaus bei Cambridge internierten Physiker, Constantin Brancusis unendliche Säule und der Kristall als Metapher der Moderne fügen sich zu einer formalästhetisch konsequenten aus Raum-, Licht-, Schattenzeichnungen und verlorener Form.

Bestandteile waren

Uranonyme

Uranclub

Unendliche beschränkt

Alsos Epsilon Toothpaste

2012 Atomwissenschaft Spionage

Diese Broschüre wurde als Materialband zu der gleichnamigen Ausstellung veröffentlicht.

Amateur

2013 Louise Bernikow New York René Zechlin Rudolph Abel Spionage Ulrike Boskamp

 

 

 

Bei der Arbeit einem Raumessay zu dem Spion Rudolph Abel wusste ich, dass es zur Ausstellung ein Buch geben würde. Das gab mir die Möglichkeit für den Raum und andererseits das Buch zu überlegen, welches Format für welche Inhalt am besten passen würde. Das Buch also wird von einem Bildessay Rudolph Abel in Massenmedien wie Magazinen oder Spielfilme eröffnet. Louise Bernikow 1970 bat ich zu schreiben, wie es dazu kam, dass sie als junge Frau ausgerechnet als erstes Buch eine Biografie über  Abel schrieb. Der „Eiskrem-Kaiser“ berichtet davon. Ulrike Boskamp schrieb einen Text darüber bei, wie und wann Künstler beim Zeichnen und Malen unter freiem Himmel für Spione gehalten wurden. René Zechlin hat einen Text über meine recherchebasierte Arbeit beigesteuert.

Klappentext: Als der russische Spion Rudolph Abel (1903 – 1971) am 21. Juni 1957 in New York festgenommen wurde, fand man in seinem Atelier über 50 Ölgemälde. Er hatte unter der Tarnung eines Amateurkünstlers und -fotografen spioniert. Sein Lieblingsmotiv: einsame alte Männer in der Großstadt. Fabian Reiman hat für sein Buch »Amateur« in FBI-Archiven recherchiert, um sich einen Einblick in die Lebensumstände des Agenten zu verschaffen. Die Bilder, die das FBI vom Atelier und Schreibtisch des Künstlerspions anfertigte, zeugen von einer Existenz, die das Grundieren der Leinwand ebenso beherrschte wie das fachgerechte Basteln einer Wanze.

Die Publikation erschien anlässlich der Ausstellung »Amateur und Überflieger« im Kunstverein Hannover 2013.

116 Seiten, mit Abbildungen
geheftete Klappenbroschur
Leipzig / Hannover März, 2013
ISBN: 9783940064745
28,00 Euro

 

Drops

2009-2011 New York Rudolph Abel Spionage

 

Die Drops sind in Zusammenhang mit dem umfangreichen Projekt Rudolph Abel, dem Spion, der sich als Künstler ausgab entstanden. Der Begriff „drop“ hat beim Lesen der Biografie von Louise Bernikow meine besondere Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Ein ‚drop‘ ist etwas Lapidares, das fast gar nicht da ist. Es bezeichnet den kurzen Zustand von etwas Flüssigem, wie z. B. einem Regentrop- fen. In dieser Art des Flüchtigen wird der Begri ‚drop‘ für kleine Verstecke verwendet. Solche Orte sind nur wenigen Eingeweihten vertraut, die dort Nachrichten in kleiner Form deponieren. Visuelle Hinweise wie Kreidemarkierungen deuten beispielsweise auf einen be- füllten ‚drop‘. Die Orte der ‚drops‘ zeichnen sich durch ihre Unspezi- tät aus. 2009 habe ich in New York alle bekannten ‚drops‘ aus der Agententätigkeit Abels gesucht. Gefunden habe ich vor allem die urbanen Nebensächlichkeiten, die sich in einem halben Jahrhundert kaum verändert haben.

Die Fotografien dieser Orte sind als Miniatureliefe geschintten worden, von denen Frottagen abgenommen worden sind. 80 verschiedene Motive bilden den ersten Teil der Serie.

X

2011-13 FBI Rudolph Abel Spionage

 

Als Rudolph Abel verhaftet wurde hat man das Inventar seiner Ateliers beschlagnahmt. Hatten die Bilder, die gemalt hatte, strategische Ziele gezeigt, oder waren solche Ziele, irgendwelche Lagepläne in den Schraffierungen verborgen? Die Bilder wurden dahingehend untersucht, geröntgt, interpretiert. Mich interessierte das Atelier als Tatort, und wie es dort aussah, als das FBI dort eintraf. Davon hatte ich gelesen. Es dauerte fast zwei Jahre bis ich Kopien der Tatortfotos aus den FBI-Archiven bekam. Es waren Schwarz-Weiss-Kopien, keine Graustufen, mehr gab es nicht. Als kriminalistische konnte ich mir das nicht vorstellen, aber als Basis diese künstlerisch zu interpretieren, als Malerei. Diese wurden anschliessend geröngt, davon C-Prints angefertigt.

 

 

 

A-Spies

2005-2007 Spionage

Ich hatte zu dem Kunsthistoriker Anthony Blunt, der ein Spion war, geforscht, woraus „The Surveyor“ entstanden ist. Ein Spion ist nie allein.

Von Blunt aus kam ich auf sein kleines Netzwerk der Cambridge Five, das sich immer mehr verzweigte in ein großes Netz der Spionage in der Zeit des Kalten Krieges.

Dieses Netzwerk kann man mit Namen und deren Verbindungen veranschaulichen. Aber wie zeigt man nun Spione selbst? Genaus genommen, fragte ich Michaels, kann ich Spione gar nicht sehen, oder, wieder genau genommen, nicht. Als solche erkennen. Selbst wenn ich die Gesichter ganz genau betrachte, ich sehe es ihnen nicht an. Nach zahlreichen Experimenten mit dem Ziel, die Spione zu zeigen, habe ich einen Weg gewählt, nichts auf ein Blatt aufzutragen. Die Gesichter der Spione sind bei ganz genauem hinsehen nur aus wenigen Betrachtungswinkeln zu erkennen. Die Bilder sind doch das Setzen von Hunderten von  Löchern entstanden, wie ein Lochcode.

The Surveyor

2009-2011 Anthony Blunt Freedom of Information Act Jasper Sharp Spionage

 

 

 

The Surveyor

2011 Anthony Blunt Denise van de Beek Jan Wenzel Spionage Stephanie Tasch

2009 wurde eine erste Fassung des Raumessays The Surveyor gezeigt. Bis dahin war viel Material zusammengekommen, das nicht in diese Ausstellunsgsituation passte. Das Medium für das Material war, das würde mir bald klar, ein Buch. So begann 2009 die gezielte Fortsetzung der Recherchen für ein Buch mit demselben Titel wie die Installtion. Darin wird die Ausarbeitung der Freedom of Information Act Materialen beschrieben, es enthält aber auch meine Abschriften des Bekennerschreibens aus dem Nachlass von Anthony Blunt. Ich konnte Stefanie Tasch, Denise van de Beek und Jan Wenzel als AutorInnen gewinnen.

Deutsch / Englisch
146 Seiten.
zahlreiche Abbildungen
ISBN:9783940064943
32,00 Euro

1979, Sir Anthony Frederick Blunt ist nicht mehr Sir. Der Grund dafür liegt weit zurück in Cambridge, wo er studierte. Dort kam er mit einem geheimen Kreis von Männern zusammen, jung und von glühender Leidenschaft für den Kommunismus. Später wurden sie bekannt als die Cambridge Five. Der erste von ihnen wurde 1951 enttarnt, der zweite ein Jahr später. Blunt war zu dieser Zeit Professor für Kunstgeschichte und Berater der Queen in Kunstangelegenheiten, er betreute die Gemäldesammlung der Windsors als Surveyor of the Queen’s Pictures. Französische und italienische Kunst waren sein Schwerpunkt, Poussin insbesondere. 1963 flog der dritte aus dem Kreis der Cambridge Five auf, er hatte sich wie schon die anderen nach Moskau abgesetzt. Blunts zweite Identität wurde ein Jahr darauf bekannt – aus Rücksicht auf die Queen aber nicht in die Öffentlichkeit getragen. Margaret Thatcher tat dies 15 Jahre später.

 

 

 

Uranclub

2012-2016 Atomwissenschaft Holzschnitt Spionage

Diese Portrait zeigen zehn deutsche Physiker, die im Rahmen der Geheimdienstoperation „Alsos Epsilon Toothpaste“ oder „Alsos III“ 1945 verhaftet wurden. Es handelte sich im Erich Bagge, Kurt Diebner, Walther Gerlach, Otto Hahn, Paul Harteck, Werner Heisenberg, Karl Wirtz, Carl Friedrich von Weizsäcker, Max von Laue und Horst Korsching die in der Nähe von Cambridge interniert wurden. Sie wurden verhört und heimlich abgehört. Ob Nazi-Deutschland eine funktionstüchtige Atombombe in Vorbereitung hatte liess sich nicht herausfinden.

Die Portraits dieser Männer sind in der Form von auf der Spitze stehender Quadrate, Karos auf der Spielkarte, im Englischen Diamond. Darauf entwickeln sich Strukturen. Die ersten sind gepunktete Linien, die in Holz geschnitten sind. Davon gibt es ein gedrucktes Bild. Dieses Holz, dieser Druckstock, ist weiter bearbeitet worden. Die Linien haben sich geschlossen. Gesichter treten deutlich, expressionistisch wirkend, hervor. Die Formen, die die Linien umschlossen haben, beginnen zu überstrahlen. Das Bild beginnt das Eigenleben eines Experiments, das sich selbst überlassen wurde. In der vierten Stufe verdichten sich die Formen zu Kreisen, Ovalen und Punkten. Die Formen näher sich der ersten Fassung. Es ging vom Dunklen ins Helle. Dann ist es vorbei. Von jeder Stufe gibt es ein gedrucktes Bild. Das Holz ist im Feuer verschwunden.

 

 

From Russia with Love

2015 Spionage

Der Geheimdienst kommt mit der Post, der Spion befindet sich auf der Briefmarke.
1990, in den letzten Zügen der Sowjetunion wurden in einer Serie Briefmarken fünf Agenten des KGB
geehrt. Unter dem Portrait waren der Name, die Geburts- und Sterbedaten gedruckt. Verwunderlich ist
die Veröffentlichung der Personen, die im Verborgenen bleiben sollen, deren Namen eigentlich niemand
kennen darf. Wobei nur der kundige Mensch die Namen einer Spionageidentität zuordnen kann.
Fabian Reimann hat sich dieser Situation angenommen und die Motive überarbeitet, von der kleinen
Briefmarke sind die Gesichter überlebensgro. auf Leinwand übertragen. Als Titel der Arbeiten hat
Reimann die Decknamen der Spione gewählt. Einige davon sind für den Künstler alte Bekannte. Bei der
Recherche nach Atomspionen oder den Verwicklungen von Kunst und Spionage sind einige schon in
früheren Arbeiten aufgetreten.
In der zweiten Bilderserie tauchen erneut Helden des KGB auf. Was 1990 schon rückw.rtsgewandt
erschien, ist in der Briefmarkenserie von 1998 befremdlich. Russische Briefmarken ehren die Helden
der Sowjetunion? Gab es in dieser Zeit eine Sehnsucht nach einem großen, geeinten Land, nach einer
Weltmacht? Ist diese Nostalgie gewissermaßen aktuell?
Der Titel der Ausstellung „From Russia with Love“ ist dem James Bond-Film von 1963 entliehen. Der
fiktive Spion ohne eine Identität ausser der eines Spions repräsentiert die Ära des Kalten Krieges wie
kaum eine andere Figur.
In seiner Arbeit stellt Fabian Reimann Fragen zur Geschichte und ihren Bildern. Die Geschichten,
fiktive und historische, die in Bilder hineingelesen werden, ob von militärischer Bildaufklärung,
Stenographie oder der Kunstwissenschaft rückt für den Künstler im Fundus unseres kulturellen
Gedächtnisses zusammen. Ein weites Netz von Informationen, von Sichtbarem, Verborgenem, von
Namen, Gesichtern und Codes verbindet sich in dieser Arbeit.