CNTRM Chapter 4

2018 Berlin

Da saß ein Mensch den ganzen Tag in einem Häuschen, hat Hochhäuser und Mauern aus Beton gesehen, ein paar Bäumchen, irgendwo den Himmel. Vielleicht saß der da mit Thermoskanne und Wurststullen und hat geguckt, seinen Gedanken und Tagträumen nachgehangen. Er wartete wie Gerhardt Hauptmanns Bahnwärter Thiel. Der betätigte seine Schranke, wenn sich ein Zug ankündigte. Unser Mensch öffnete das Tor für Lastwagen, die das Centrum-Warenhaus belieferten, dann kam wieder das Warten. Um diesen Stillstand der Person ist die Bewegung der Stadt und der Waren, die andauernd in diese Stadt geliefert werden.  In dieser gedehnten Zeit des Abwartens  rauschen die Bilder durchs Hirn, das Kopfkino rattert. 

Das Kino als solches wurde gleichzeitig mit den Warenhäusern erfolgreich. Sie verbindet Wachstum und ihr Stellenwert für Kultur und Handel, die Kulturindustrie selbst im 20. Jahrhundert. Onlinehandel und Streaming haben Konsummuster verändert. Der Warentransfer bleibt, wie selten zuvor global vernetzt. Unser Mensch im Häuschen ist den Veränderungen der zeit gewichen, denen politischer Systeme und technologischen Veränderungen. Sein Pförtner-Pavillon steht still da. Vielleicht hatte der Pförtner Filme im Kopf, Roadmovies, in denen Lastwagenfahrer Asphaltcowboys und Könige der Autobahnen waren. In den späten 1970er Jahren, als das Centrum-Warenhaus eröffnete hatten die Highway-Könige auch ihre große Zeit in den Kinos. 

Aus den Fenstern des Pförtnerhäuschens heraus sieht man auf einer LKW-Plane gedruckt einen Bildessay, in dem Fabian Reimann das erste Warenhaus der Welt, Truckerfilmen, Außerirdische, Kampfrobotern, Zombies und mehr zusammenkommen lässt.

Fabian Reimanns Installation für Kapitel 4 im CNTRM ist eine Imagination von scheinbar zeitlosen Fantasien der ehemaligen Pförtner des Centrum Warenhaus, die wie in einem Kopfkino gleichzeitig ein Spiegel des Ortes und dessen Funktion darstellt. Reimann führt uns allerdings keinen starren Rückblick vor, sondern eine Vision aus Mobilität und Geschwindigkeit.

Mit Kapitel 12 wurde der Pförtner-Pavillon in der Nähe des Berliner Ostbahnhof nach über 20 Jahren wieder geöffnet und es beginnt der Prozess der Erneuerung und des Sichtbarwerdens. Die geplante Renovierung wird mit Kapitel 1 im Oktober 2018 abgeschlossen werden und dann einen Eindruck vermitteln, wie das Pförtnerhaus vor 40 Jahren ausgesehen hat. Parallel hierzu entwirft CNTRM mit eingeladenen Künstler*innen einen zweiten Handlungsstrang, der als Hauptakt (Kapitel 11 – 2) aus zehn Ausstellungen besteht. Diese künstlerischen Interventionen beziehen sich auf den jeweiligen Renovierungszustand des Pförtner-Pavillons.

CNTRM ist ein Projekt von Christof Zwiener