Fortress of Solitude

2021

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Spinnereistr. 7
04179 Leipzig

 

Das Atelier verwandelt sich in einen Ausstellungsort. Dieser persönliche Arbeitsort des Künstlers wechselt die Rolle vom privaten zum öffentlichen Raum. Damit verschiebt sich die Rolle des Künstlers des Wie und Wo von einer vor- zu einer postmodernen Rolle.

Am Ende des 18. Jahrhunderts entstand die Idee des Künstlers, des einsamen Genies, das für das Schaffen seines Verstandes und seiner Hände einsteht, egal ob er gemocht wird oder nicht. Ein Künstler, der die Einsamkeit des Ateliers dem Beisammensein mit einer Menge weniger erleuchteter Wesen vorzieht. Dieses Sein und Werden eines „wahren Künstlers, der der Welt hilft, mystische Wahrheiten zu enthüllen“ (wie Bruce Nauman es 1967 formulierte) war die Idee eines Künstlers im Zeitalter der Romantik. Und alles in allem war es eine kurze Episode bezüglich der Persona eines Künstlers vor und nach dieser Zeit.

2020 begann die erzwungene Einsamkeit.

Aus verschiedenen Perspektiven führt erzwungene oder freiwillige Isolation zur Bildung von individuellen Mythologien, imaginären Museen oder Einsiedlertum. In Bezug auf die Kunst habe ich eine Metapher für eine forschungsbasierte Arbeit gefunden, den fiktiven Ort der „Festung der Einsamkeit“, den einzigen Ort, an dem sich Superman nicht so sehr wie ein Alien fühlt.

Dieser Ort aus dem Pulp-Universum der Comic-Helden ist ein überdimensionaler Kristallpalast in der Arktis, in dem zahlreiche Devotionalien aus den Superman-Abenteuern mit Objekten aus der Menschheitsgeschichte zu einem unglaublichen Museum kombiniert sind.

In einem Saal hängt zum Beispiel die „Titanic“ von der Decke. Dieses Museum hat nur einen Sammler, Kurator, Direktor und nur einen Besucher – alle sind ein und dieselbe Person. Es ist ein Ort des Denkens und Arbeitens, ein Labor und ein Atelier. Diese riesige Wunderkammer ist auch eine Zeitkapsel. Diese megamonomanische Konstruktion ist einerseits absurd, andererseits aber auch Schauplatz zahlreicher Mythen von unerreichbaren Schatzkammern oder dem Atelier des Künstlers.

 

Im Laufe des Jahres 2021 werden fünf Kapitel dieser Raumerzählung vorgestellt werden: 

 

 

 

 

18. März – 30. Juni

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

The Fortress of Solitude, Chapter One: Sea Shore Coast

2021

Das erste Kapitel der Fortress of Solitude widmet sich der Küste und Brandung, Schnittstelle zwischen dem Land, Lebensraum der Menschen, und dem Meer.

Mit Meere und Sterne geht es in neue Welten und beginnt mit Geschichtenerzählern, Forschern und Seefahrern. Die ausgewählten Personen lebten allesamt vor der Erfindung der Fotografie. Es ist also bis heute nicht nachvollziehbar, wie sie tatsächlich aussahen. Dabei sind sie Stellvertreter für kulturelle und weltgeschichtliche Sachverhalte. Es ist eine bewusst subjektive Auswahl, die an manchen Stellen Überschneidungen mit der westeuropäischen Geschichtsschreibung hat. Ihre Gesichter fehlen und diese Leerstellen sind visuelle Fiktionen aus Historien-, Sagen- und Science-Fiction-Filmen gelegt. So ergeben sich seltsame Begegnungen, aus denen sich neue Geschichtsmomente entwickeln.

Neben den diesen Traum- und Denkwelten befindet sich Farrah Fawcett im roten Badeanzug, das Motiv des weltweit meist verkaufte Posters. 12 000 000 and one macht das Bild wieder zum Unikat, darauf sind die Titelmotive von Bücher gemalt, wie The World Set Free.

Ein Strudel hat die korallenroten Ruder aus dem Kurs gerissen, und am Boden neben diesem Mälström ist die Zerteilte Reise, ein ehemaliger Renn-Einer in Signalfarbe.

An der grauen Wand sind die Leerstellen der Erinnerung, die fehlenden Gesichter von Meere und Sterne wie unerforschte Atolle.